Neukölln soll Fairtrade Town werden

In einem gemeinsamen Antrag in der Neuköllner BVV fordern Grüne und SPD das Bezirksamt auf, an der Kampagne Fairtrade Towns teilzunehmen. Diese zertifiziert Städte und Gemeinden, die fairen Handel auf kommunaler Ebene fördern wollen.

Karin Nadrowski, Grüne Bezirksverordnete und Antragstellerin, erklärte: „Neukölln ist wie kaum ein anderer Bezirk dazu geeignet, Ideen für ein gerechteres Wirtschaften umzusetzen. Es passiert hier bereits jetzt so viel, dass wir in einigen Bereichen weit über die Mindestvoraussetzung der Kampagne Fairtrade Towns hinausgehen können. Neben fairem Handel steht Neukölln zum Beispiel für Upcycling, faire Mode und regionales Wirtschaften. Die Zertifizierung ist der Anstoß, sich im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens zu positionieren und sich mit Hilfe der Steuerungsgruppe kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Der Antrag von Grünen und SPD sieht vor, die Steuerungsgruppe um Akteure der Zivilgesellschaft zu erweitern. Neben Vertreter*innen aus dem Bezirksamt, der Politik und dem Quartiersmanagement sollen auch entwicklungspolitische Gruppen, migrantisch-diasporische Initiativen, Religionsgemeinschaften sowie Menschen aus der Kreativwirtschaft, dem Einzelhandel und dem Bildungsbereich vertreten sein. Ziel ist es, eine Plattform für Vernetzung, Austausch und Motivation zu schaffen, die die Vielfalt der Gruppen in Neukölln widerspiegelt.

SPD und Grüne bilden in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung eine Zählgemeinschaft. Die Grünen setzten sich 2016 dafür ein, dass das Vorhaben Fair Trade Town in die gemeinsame Arbeitsgrundlage, die Zählgemeinschaftsvereinbarung (Forderung 11), aufgenommen wurde. Mit dem aktuellen Antrag soll eine langjährige Grüne Forderung umgesetzt werden.

Bereits 485 Fairtrade Towns gibt es in Deutschland. Zwei Berliner Bezirke sind bereits als Fairtrade Towns zertifiziert, drei weitere befinden sich in der Bewerbungsphase. Um als Fairtrade Town zertifiziert zu werden, müssen fünf Kriterien erfüllt werden: 1) Ein Bezirksamtsbeschluss und Faire Produkte, z.B. Fairer Kaffee, auf Sitzungen im Rathaus, 2) die Gründung einer Steuerungsgruppe, 3) faire Produkte im Einzelhandel, 4) Produkte aus fairem Handel in öffentlichen Einrichtungen und 5) Medienberichte über Aktivitäten zu fairem Handel.