Lokaler Aktionsplan des Bezirks Neukölln "Vielfalt tut gut"

Am 21. Juni 2007 wurde vom Neuköllner Jugendhilfe-Ausschuss ein lokaler Aktionsplan zur Umsetzung des Programms "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" verabschiedet. Vorausgesetzt, dass auch die Bezirksverordnetenversammlung am 04. Juli dem Aktionsprogramm zustimmt, können bis zum 31. Juli 2007 Schulen, Träger und lokale Akteur_innen ihre Projektvorschläge einreichen.

Das Bundesprogramm Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert und richtet sich gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Für Neukölln wurden vom Jugendamt unter der Leitung von Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne) drei Hauptziele formuliert. Diese Ziele sind abgestimmt auf die Situation und die Belange des Bezirks. Es gab schon im Vorfeld einen intensiven Austausch mit den Vertreter_innen der Kinder- und Jugendeinrichtungen und den Streetworker_innen im Süden Neuköllns. Alle Analysen und Handlungsstrategien wurden außerdem abgesprochen mit dem Quartiersmanagement und dem Migrationsbeauftragten.

Der Lokale Aktionsplan für Vielfalt soll die lokalen Akteur_innen in ihrer Arbeit stärken und vernetzen. Er soll neue gemeinsame Ideen verwirklichen helfen. Das gelingt nur in enger Kooperation aller Beteiligten von den Schulen über die Quartiersmanagementgebiete und Jugendprojekte bis zu Anwohner_innen. Alle Projekte, die in den kommenden drei Jahren über das Bundesprogramm finanziert werden sollen, müssen sich nun an diesen gemeinsam erarbeiteten Zielen ausrichten.

Das erste Ziel ist, dass sich Neuköllner Bürger_innen mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzen und lernen, wie sie den rechtsextremen Argumenten etwas entgegensetzen können. Dazu wird es Infoveranstaltungen, Seminare für Akteur_innen und Bürger_innen sowie eine intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geben. Das Material zur Öffentlichkeitsarbeit soll u.a. in Projekten von Anwohner_innen, Akteur_innen und Jugendlichen entwickelt werden.

Das zweite Ziel besteht darin, Jugendliche und Eltern zu stärken und mit ihnen gemeinsam demokratische und partizipative Konzepte zu entwickeln und umzusetzen: Konkret heißt das z.B., dass Kinder und Jugendliche gemeinsam die Inhalte verschiedener Religionen erforschen, dass sie die Traditionen ihrer Mitschüler_innen kennen lernen und dass ein Aktionsfonds für Projekte von Kindern und Jugendlichen eingerichtet wird. Jugendlichen soll die Gelegenheit gegeben werden, das Handwerkszeug der Demokratie zu gebrauchen und zu erfahren, dass die demokratischen Mittel nicht nur gut funktionieren, sondern, dass sich mit ihnen auch etwas erreichen lässt.

Das dritte Ziel ist ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander der Bürger_innen Neuköllns. Es sollen Foren aufgebaut werden, in denen sich Eltern verschiedener Kulturen und religiöser Gruppen austauschen können. Veranstaltungen zum Thema "Religion und Staat", eine Stadtteilkonferenz, auf der es um Integration und die Regeln des Zusammenlebens geht, und schließlich ein großes Stadtteilfest werden gemeinsam entwickelt. Integriert sind Medien- und Kulturprojekte von Jugendlichen, die auch Teil der Öffentlichkeitsarbeit sein werden.

Das Aktionsprogramm ist somit als "ein Programm für ..." entwickelt worden, erst in zweiter Linie als "ein Programm gegen ...": Es gibt zwar gezielte Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, bei denen es vor allem um die Aufklärung über rechtsextreme Gedanken und Gruppierungen geht. Der Hauptteil des Aktionsprogramms wirbt aber für mehr Toleranz, fördert das gegenseitige Kennenlernen und unterstützt Initiativen zur Stärkung des demokratischen Selbstbewusstseins. Austausch und die demokratisch abgestimmten Eigenaktivitäten der Jugendlichen stehen im Mittelpunkt.

Alle eingereichten Projektideen müssen sich an diesen Zielen ausrichten. Entschieden wird über die eingereichten Projekte von einem Begleitausschuss, in dem neben Vertreter_innen des Ämternetzwerkes auch zivilgesellschaftliche Akteur_innen vertreten sind. Wir werden weiter über die Entwicklung der einzelnen Aktivitäten berichten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite Toleranz fördern - Kompetenz stärken - Lokale Aktionspläne in Neukölln