Moderation: Jaqueline Bartsch, Susanna Kahlefeld
Die Erlebnisberichte von Menschen, die in unserem Land den Rassismus am eigenen Leib erfahren, sind für die, die nicht selbst betroffen sind, schockierend und aus der eigenen, sicheren Lebenssituation heraus nicht vorstellbar. In dem Forum wurden solche Erlebnisberichte über Themenzuordnung geclustert.
Die Themen lauteten:
1. Schule
2. Arbeitsalltag
3. Beratungsstellen
4. Polizeikontakt
Zu 1. Schule:
Lehrer_innen signalisieren unmissverständlich, dass sie von Kindern aus Migrantenfamilien schlechtere Leistungen erwarten.
In der Kommunikation zwischen Lehrer_innen und Schüler_innen steht die ethnische Zugehörigkeit oft im Vordergrund. Die Individualität des Kindes wird dadurch wenig wahrgenommen.
Die Schule vermittelt kein Gesellschaftsbild, das Vielfalt wiederspiegelt. Schulbücher z.B. bilden immer noch überwiegend nur weiße, deutsch-stämmige Menschen ab.
Die Schule leistet keinen aktiven Beitrag dazu, dass sich die Kinder weniger nach ethnischer Zugehörigkeit gruppieren.
Den Lehrern fehlen pädagogische Konzepte, um die Kinder aus Migrantenfamilien in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken.
Die Lehrerschaft ist wenig ethnisch durchmischt und spiegelt nicht die tatsächliche Vielfalt der Gesellschaft wieder.
Schulleiter_innen, Leiter_innen von Jugendzentren und andere pädagogische Vorbilder mit Migrationshintergrund fehlen als Role-Models.
Zu 2. Arbeitsalltag
Nach wie vor werden Migrant_innen für die gleiche Arbeit, wie deutsch-stämmige sie leisten, schlechter bezahlt.
Es fehlen Beratungsstellen für arbeitsrechtliche Betreuung.
Vielen Migrant_innen fehlt das Bewusstsein, um sich stärker für ihre Rechte und für mehr Anerkennung zu engagieren.
Es fehlt in Berlin eine starke Lobby für Menschen schwarzer Hautfarbe.
Ausländische Studien- und Berufsabschlüsse müssen endlich anerkannt werden. Sonst verhärtet sich das Vorurteil, Migrant_innen seien schlechter gebildet.
Die Gewerkschaften müssen das Thema Rassismus aufgreifen und hier stärker für Gerechtigkeit sorgen.
Zu 3. Beratungsstellen
Es gibt viele verschiedene Beratungsstellen. Leider finden sich hier zu wenige Berater_innen, die eigene Erfahrungen als Migrant_innen haben. Auch hier wird ein stärkerer Anteil von Migrant_innen als Berater_innen gefordert. Das würde in vielen Fällen die Hemmschwelle für Ratsuchende senken.
Zu 4. Polizeikontakt
Die Überprüfung von Aufenthaltstiteln wird insbesondere an Orten vorgenommen, wo die Anwesenheit von Menschen ohne Aufenthaltsberechtigungen erwartet wird. Die sich daraus ergebenden Erfahrungen stärken die Vorurteile gegenüber Migrant_innen.
Gegenüber Menschen mit schwarzer Hautfarbe übt die Polizei einen subtilen Rassismus aus. Eine Bekämpfung wäre nur durch ein Profiling aller gemeldeten Personen möglich. Allerdings sollte niemand zu Angaben über seine Hautfarbe und ethnischen Herkunft gezwungen werden. Die Bekämpfung des diskriminierenden Verhaltens bei der Polizei sollte also nur mit freiwilligen Angaben und freiwilligen Erfahrungsberichten über Diskriminierung bekämpft werden.
Fazit:
Vom alltäglichen Rassismus erfahren die, die ihn nicht selbst erleben müssen, nur einen Bruchteil. Umso mehr sind politisch Handelnde auf die Zusammenarbeit mit Afrikaner_innen und allen anderen, die Rassismus erleben, angewiesen. Die Afrikaner_innen und andere Menschen mit schwarzer Hautfarbe müssen sich über eine gut organisierte, einheitliche Lobby eine hörbare Stimme verschaffen.
Konkrete Forderungen, die im Forum geäußert wurden, waren:
Protokoll: Sabine Mutumba
Mi, 16 Mai 2012 11:31:48 +0200
unser offener Brief zur "Manege" http://t.co/geTVsQiI http://t.co/8F6D7IMA
Di, 15 Mai 2012 10:23:58 +0200
Heute Abend laden wir wieder ab 18 Uhr zum Neuentreffen in die Geschäftsstelle. Danach (19 Uhr) gehts in der... http://t.co/dlDUUtDJ
Di, 08 Mai 2012 19:25:38 +0200
Susanna Kahlefeld zum... http://t.co/wCKk9XyF
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