Öko ist gerechter!

Wer eine ökologische Stadt will, muss das Soziale mitdenken. Georg Kössler, Grüner Direktkandidat im Wahlkreis 3, erklärt in unserer Bezirkszeitung warum.

Berlin wächst – nirgends wird das so deutlich wie in unserem Bezirk Neukölln. Immer mehr Menschen wollen hier leben. Ich verübele es ihnen nicht, denn ich bin damals auch vom Stadtrand nach Nord-Neukölln gezogen. Zuwachs kann eine Chance sein, wenn die Politik sich traut, ihm eine Richtung zu geben.

Ich will ins Berliner Abgeordnetenhaus, denn es gibt drei große Herausforderungen, vor denen unser Bezirk und unsere Stadt stehen: Das Abbremsen des Mietenanstiegs, die Schaffung von neuem bezahlbaren Wohnraum und die Transformation in eine nachhaltige Stadt. Beim Meistern dieser Herausforderungen wird es wichtig sein, nachhaltige Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Eine nachhaltige Stadt entsteht nicht von alleine

Umweltpolitik und echter Klimaschutz werden von SPD und CDU bisher nicht ernst genommen. Das ist fatal. Zwei Beispiele: Auf Straßen und Gehwegen gibt es großes Gedränge, weil sich Autos, Räder und Fußgänger den engen Raum teilen müssen. Dass immer mehr Menschen aufs Rad umsteigen, ignoriert der Senat. Konflikte sind unvermeidbar. Dabei ist doch klar: Berlin muss bald seine CO2-Emissionen komplett vermeiden. Da wird es zwischen einigen Elektro-Autos und Bussen einfach viel mehr Fahrräder geben. Also warum beginnt der Senat nicht schon heute mit dem schrittweisen Umbau der Verkehrsinfrastruktur?

Das Berliner Wasser wird zum Problem. Nicht nur die Brandenburger Tagebaue verpesten es mit Sulfaten (was unsere Wasserpreise ansteigen lässt). Bis zu 50 Mal im Jahr läuft unsere Kanalisation über, spült Dreck und Fäkalien in die Spree. Schuld ist nicht nur der Klimawandel, durch den es zu mehr Starkregen kommt, sondern vor allem die mangelnden Abflussmöglichkeiten. Alles ist zu betoniert!

Umweltgerechtigkeit ernster nehmen

Es ist ein billiges Vorurteil, dass Umweltpolitik nur etwas für Wohl-habende ist. Umweltpolitik braucht man vor allem dort, wo die Autos stinken, die Ringbahn am Schlafzim-merfenster vorbei rauscht und ruhige Parks weit entfernt sind – also da, wo auch die Mieten niedrig sind. Wer Geld hat, zieht in ruhige Seitenstra-ßen – alle anderen erkaufen sich ihre geringe Miete teuer: Lärm, Luft und mangelndes Grün verringern Wohlbefinden, Gesundheit und damit die Lebenszeit. In Neukölln fallen mir sofort solche Ecken ein: Silbersteinstraße, Karl-Marx-Strasse, Weiße Siedlung (weitere Infos dazu gibt es hier).

Doch von Bezirk und Senat gibt es keine Programme mit Schwerpunkten in diesen Gebieten. So lange aber Umwelt- und Sozialpolitik nicht zusammen gedacht werden, wird sich auch nicht viel ändern.

Privatisierung des öffentlichen Raumes stoppen

Ein trauriger Nebeneffekt der bis-herigen Politik ist auch, dass Beton fast immer in Privateigentum ist, während bedrohte Grünzüge meist öffentlich zugänglich bzw. gemein-schaftlich genutzt sind. Deutlich wurde das beim Tempelhofer Feld, aber auch die Bedrohung des Neuköllner Gemeinschaftsgartens "Prachttomate" steht exemplarisch für die zunehmende Pri-vatisierung des öffentlichen Raumes, die mit einer rigorosen Betonpolitik einhergeht. Der Kampf um Grün in der Stadt ist auch ein Kampf um öffentlichen Raum.

Politik muss sich auch mal was trauen!

Es gibt also viel zu tun, die Stadt muss sowieso umgestaltet werden – warum beginnen wir nicht heute schon damit? Es braucht eine Wasserstrategie, einen Lärm-Aktionsplan, den Kohleausstieg, tausende begrünte Dächer, besseren Nahverkehr, mehr Fahrradwege und eine Ausweitung der Umweltzonen. Dabei werden wir es nicht immer allen recht machen. Sorry, nicht jederParkplatz wird erhalten bleiben können. Aber mir ist wichtig, dass die Gewinner*innen einer grünen Umweltpolitik die sind, die sonst nicht gerade zu den Gewinner*innen zählen. Deshalb kämpfe ich für mehr Umweltgerechtigkeit in den kommenden fünf Jahren!

Gerade für unser Neukölln haben wir Grüne eine Menge Ideen. Mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen in Nebenstraßen, eigenen Fahrradstraßen und -streifen wollen wir Neukölln sicherer, leiser und klima-freundlicher machen. Unser Bezirk braucht endlich auch ein eigenes Klimaschutzkonzept, damit er sich auf die vielen Fördergelder bewerben kann und in erneuerbare Energien und Energieeffizienz investiert wird. Für jeden gefällten Baum muss es einen neuen geben – und zwar in der unmittelbaren Nähe! Zudem fordern wir die Begrünung von Fassaden, Baumscheiben und Dächern. Die bezirklichen Grünflächen wollen wir für alle Neuköllner*innen lecker machen, indem dort Obstbäume ge-pflanzt werden.

All das sind kleine Schritte, doch sie erfordern großes Umdenken. Und das ist nötig, wenn wir Berlin lebenswert erhalten, das Klima retten und die Ungerechtigkeiten bekämpfen wollen. Die Stadt muss ihre begrenzten finanziellen und personellen Mittel ausweiten, umsteuern und schlau investieren. Rot-Schwarz hat schon genug Geld verpulvert. Es wird Zeit für Grünes Umsteuern in Berlin und in Neukölln – nur so kann Berlin die Herausforderungen des 21. Jahr-hunderts meistern.

 

Die gesamte 185. Ausgabe unserer Bezirkszeitung gibt es hier als PDF zum Download.
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