Neue Netze für Neuköllner Kinder und Jugendliche

Gabriele_Vonnekold

Neukölln hat ein zweites Kinder- und Jugendrechtshaus für den Süden des Bezirkes.

Das Jugendrechtshaus im Jugendzentrum Lessinghöhe war so erfolgreich, dass es nötig wurde, die vorhandenen Kapazitäten auf den Bedarf des Neuköllner Nordens zu konzentrieren und ein zweites Angebot im Süden zu machen.

Nach intensiver Vorbereitung und Netzwerkarbeit konnte jetzt das Kinder- und Jugendrechtshaus im Jugend-Kultur-Zentrum Wutzkyallee eröffnet werden. Es wendet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren und bietet ehrenamtliche Beratung durch Anwält_innen im Einzelfall (telefonisch und in Sprechstunden), aber auch Workshops und Veranstaltungen. Es soll alle Bereiche abdecken, wo Recht für Kinder und Jugendliche relevant werden kann, z.B.: Grundrechte, Information über und Hilfe bei der Durchsetzung von Kinderrechten, Taschengeld, Jugendschutz, Verträge, Beratung und Hilfe für Opfer von Mobbing oder Straftaten, Beratung und Begleitung für Delinquenten. Aufklärung über Rechtsnormen erweist sich als nötig, z.B. um Kindern und Jugendlichen deutlich zu machen, das "Abziehen" keine "coole Action" ist, sondern eine Straftat. Kinder und Jugendliche werden darüber informiert, wie Straftaten verfolgt und Recht durchgesetzt wird, wer daran beteiligt ist und wie man zu "seinem bzw. ihrem Recht" kommt. Das Verhältnis zur Polizei soll entkrampft und ein Vertrauen zwischen Kindern und Jugendlichen und Polizisten erreicht werden, das Konflikte minimiert.

Sieben Schulen im Kooperationsnetzwerk vertreten

Besonders positiv ist, dass neben den ehrenamtlich tätigen Anwält_innen, der Polizei und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes auch bereits zum Start sieben Schulen im Kooperationsnetzwerk vertreten sind. Dieses Netz soll helfen, dass alle Kinder und Jugendlichen zu "ihrem" Recht kommen und das Miteinander in Familie, Schule und Nachbarschaft friedlich und auf Respekt gegründet abläuft.

Ein weiteres Netz für Kinder und Jugendliche in der südlichen Gropiusstadt hat sich mit der "Bildungsmeile Wutzkyallee" gegründet. Hier haben sich Schulen, Kindertageseinrichtungen und Jugendeinrichtungen zusammengeschlossen, um die Bildungswege der Kinder und Jugendlichen gemeinsam besser zu begleiten und die Übergänge zu erleichtern. Durch eine enge Zusammenarbeit sollen die Kommunikation verbessert und die unterschiedlichen Möglichkeiten der einzelnen Einrichtungen auch für andere nutzbar gemacht werden.

Die Einrichtungen der Bildungsmeile öffnen sich ihrer Umgebung, beziehen Eltern, Nachbarschaft, Wirtschaft und Beratungseinrichtungen in ihre Arbeit ein, um eine umfassende Förderung aller Kinder und Jugendlichen zu erreichen.

Kreativität, Mut und Elan eröffnen Möglichkeiten auch bei knappen Mitteln

Eine gute Bildung für alle und ein friedliches Zusammenleben der Nachbarschaften zu gewährleisten, sind die zentralen Aufgaben für eine lebenswerte Zukunft. Über "Bildungsferne" und "Integrationsunwilligkeit" schwadronieren gegenwärtig viele. Praktisch folgt daraus allerdings wenig. Auch in Neukölln sind die Kassen leer und die Bedarfe groß, aber hier wird nicht rumlamentiert, sondern gehandelt. Da wo die Mittel begrenzt sind, wird mit viel Kreativität, Mut und Elan dafür gesorgt, dass aus dem Vorhandenen das Optimum herausgeholt wird. Gemeinsam werden Projekte gestemmt, die eine Einrichtung allein überfordern würde. Ich bin sehr froh, in einem Bezirk für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen arbeiten zu können, wo so viele Menschen nicht nur über die Probleme klagen, sondern sich zusammenschließen, um sie mit vereinten Kräften anzugehen.

All diesen Menschen bin ich herzlich dankbar und wünsche den beiden neuen Netzwerken viel Erfolg.

Gabriele Vonnekold, Jugendstadträtin in Neukölln