Kleine Anfrage: Nachfrage zur Großen Anfrage "Lokale Bildungsverbünde" (KA/154/XIX)

Nachfrage zur Drucksache 0946/XIX, Große Anfrage: Lokale Bildungsverbünde vom 04.06.2014.

Fragestellerin: Mahwareh Christians-Roshanai (am 30. Oktober 2014); für das Bezirksamt antwortete Franziska Giffey (24. November 2014).

 

1. Was ist das Ergebnis der Evaluation?

Das Projekt „Unterstützungssysteme der lokalen Bildungsverbünde in Berlin Neukölln“, das im Jahr 2012 im Rahmen des Förderprogramms Aktionsräume plus aufgelegt wurde, hatte zur Aufgabe, auf der Grundlage einer umfassenden Bestandsaufnahme der Neuköllner Bildungsnetzwerke und -verbünde deren Unterstützungsbedarf zu ermitteln und Empfehlungen für eine nachhaltigere Netzwerkarbeit auszusprechen.

Im Bezirk Neukölln sind in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen zur Vernetzung der Bildungseinrichtungen entstanden, um durch verstärkte Kooperationen Kindern und Jugendlichen bessere Bildungsbedingungen und den Zugang zu vielfältigen Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Diese Netzwerke und Verbünde unterscheiden sich in ihrer Organisationsform, der Art und Anzahl ihrer Kooperationspartner und in ihrer Intensität an Aktivitäten. Sie reichen von einer eher informellen Kooperation zweier oder mehrerer Bildungseinrichtungen über thematische Arbeitsgruppen, Runde Tische bis hin zu festen Strukturen mit Kooperationsvereinbarungen und einer zentralen Koordination. Auffällig ist die Abhängigkeit aller Netzwerke und Verbünde von der Initiative und dem finanziellen Engagement der Quartiersmanagments. Sie werden überwiegend aus temporären Projektgeldern des Programms „Soziale Stadt“ finanziert, vereinzelt aus verschiedenen Landes- und Bundesmitteln, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und aus Mitteln der Privatwirtschaft. Daher ist allen der Wunsch nach einer dauerhaften Perspektive, verbindlichen und nachhaltigen Ressourcen sowie der politischen Unterstützung, die einerseits gesamtstädtischen Belangen Rechnung trägt, andererseits den Erfordernissen vor Ort ausreichend Spielraum lässt, gemein. Insbesondere die Abhängigkeit von kurzfristigen Projektgeldern ist gegenwärtig das Haupthindernis für eine nachhaltige Netzwerkarbeit.

Aus den Untersuchungen der einzelnen Bildungsnetzwerke und –verbünde haben sich folgende Empfehlungen für eine nachhaltige Netzwerkarbeit herauskristallisiert:

  1. Der politische Wille und die ausdauernde Wahrnehmung, Begleitung und Wertschätzung durch Politik und Verwaltung müssen gegeben sein. So lassen sich die Strukturen vor Ort stabilisieren und weitere Unterstützer mobilisieren.
  2. Eine fachübergreifende Ämtergemeinschaft über die Bezirke hinaus muss die Netzwerke begleiten.
  3. Im Kern muss die Finanzierung für eine stabile und professionelle Koordination sichergestellt werden.
  4. Netzwerke sind personenabhängig und werden von der Bereitschaft der Akteure vor Ort und der Verwaltung zur Zusammenarbeit getragen. Eine gemeinsame und kontinuierlich fortgeschriebene Agenda mit konkreten Zielen und Handlungsschritten ist notwendig.
  5. Bundes- und Landesprogramme können zeitlich begrenzte Projekte der Bildungsnetzwerke unterstützen. Auf sie sollte vermehrt zurückgegriffen werden.

2. Welche Unterstützungsmaßnahmen werden nun durch das Bezirksamt erfolgen?

Auf Grundlage der Empfehlungen wird das Bezirksamt Neukölln die weitere politische Debatte im Land Berlin anstoßen, welche Rolle den Bildungsverbünden in Zukunft zugemessen werden soll und wie die Bildungspolitik der Stadt solche Bildungskooperationen als Chance für die weitere Entwicklung des Bildungssystems in den Blick nehmen will. Da gegenwärtig sowohl die personellen als auch die finanziellen Ressourcen im Bezirk nicht zur Verfügung stehen, um Bildungsverbünde dauerhaft zu begleiten oder einen Bildungskoordinator zu finanzieren, müssen sich zunächst die Senatsverwaltungen zum weiteren Vorgehen positionieren.

3. Ist ein gemeinschaftliches Treffen der lokalen Bildungsverbünde und dem Bezirksamt bezüglich der Ergebnisse und Entwicklung wie Sicherung der Qualität in den Einrichtungen geplant?

4. Wenn ja, wann wird es stattfinden?

5. Falls nein, weshalb nicht?

zu den Fragen 3 bis 5: Ein gemeinschaftliches Treffen der lokalen Bildungsverbünde und dem Bezirksamt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Zum einen werden die Ergebnisse des Projektes „Unterstützungssysteme der lokalen Bildungsverbünde in Berlin Neukölln“ in Kürze in einer vom Bezirksamt Neukölln herausgegebenen Publikation als Printmedium und auf der Webseite des Bezirkes ausführlich dargestellt. Darin finden sich auch zahlreiche Instrumente für die praktische Netzwerkarbeit, um Bildung besser zu gestalten. Zum anderen bleibt zunächst die Positionierung der Senatsverwaltungen für Bildung und Stadtentwicklung zur künftigen Entwicklung der Bildungsverbünde abzuwarten. Der Bezirk kann diese Debatte zwar anstoßen, jedoch nicht allein führen. Dazu bedarf es einer gesamtstädtischen Zusammenarbeit auf Landes- und Bezirksebene unter Einbeziehung der lokalen Bildungsnetzwerke auch im Hinblick auf die Haushaltsverhandlungen für 2016/2017. Der Bezirk wird sich hier für eine Stärkung und Verstetigung der lokalen Bildungsverbünde einsetzen.


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