Kleine Anfrage (KA/069/XVIII): Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche im Bezirk

Fragesteller: Wagner, Heinz

Eingang: 27. Mai 2008

Beantwortet: 07. Juli 2008

 

Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche im Bezirk

  1. Welchen Stellenwert räumt das Bezirksamt der kulturellen Kinder- und Jugendbildung im Bezirk ein?
  2. Welche Angebote zur kulturellen Bildung existieren im Bereich der bezirklichen Jugendarbeit durch Jugendfreizeiteinrichtungen und Freie Träger?
  3. Welche besonderen Angebote der kulturellen Bildung gibt es an Kindertagesstätten und/oder Schulen im Bezirk?
  4. Welche Angebote zur kulturellen Bildung im Bezirk, die nicht vom Bezirk, sondern durch den Bund oder das Land Berlin gefördert werden, sind dem Bezirksamt bekannt?
  5. Wie sieht die Zusammenarbeit zur kulturellen Bildung zwischen
    1. bezirklichen Jugendfreizeiteinrichtungen,
    2. Freien Trägern,
    3. Kindertagesstätten,
    4. Schulen,
    5. Musikschulen,
    6. Bibliotheken,
    7. der Jugendkunstschule,
    8. der Volkshochschule,
    9. weiteren bezirklichen Institutionen,
    10. privaten Institutionen aus?
  6. Welchen Bedarf sieht das Bezirksamt über die existierenden Angebote zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung hinaus?
  7. Wer ist im Bezirk zuständig für die Mittelvergabe für kulturelle Kinder- und Jugendbildung? Nach welchen Kriterien werden die Mittel vergeben?
  8. Gibt es im Bezirk eine Koordination für Schulen, um ihnen Anbieter der kulturellen Bildung zu vermitteln?
  9. Gibt es im Bezirk ein regelmäßiges „Projekteplenum“ wie in Kreuzberg, in dem Aktivitäten der kulturellen Bildung vorgestellt, diskutiert und nutzbar gemacht werden?
  10. Wie unterstützt der Bezirk die Aktivitäten von „Schule ohne Rassismus“ als Koordinierungsstelle für kulturelle Bildung in den Schulen?

 

Antwort des Bezirksamtes:

Sehr geehrter Herr Wagner,

für das Bezirksamt beantworte ich Ihre kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1. Welchen Stellenwert räumt das Bezirksamt der kulturellen Kinder- und Jugendbildung im Bezirk ein?

Kulturelle Jugendbildung ist im §11 Jugendhilfegesetz definiert und integraler Bestandteil der Neuköllner Kinder- und Jugendarbeit. In allen freien und bezirklichen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen sind vielfältige Angebote, Projekte und Veranstaltungen der kulturellen Jugendbildung Schwerpunkt der Arbeit.

In der Kulturellen Kinder- und Jugendarbeit sind zwei Begrifflichkeiten zu unterscheiden; die Jugendkulturarbeit und kulturelle Jugendbildung.

In der Jugendkulturarbeit geht es um Ausdrucksformen der Jugendlichen und Jugendszenen, um „Alltags“- und Mainstreamkultur. Dabei spielen aktuelle Trends in Musik, Medien, Mode, Konsum, Lebens- und Freizeitstilen und die Sprache der Jugendlichen die Hauptrolle. Graffiti, Rap, Breakdance, Hip-Hop, um nur einige zu nennen, gehören zur Jugendkultur.

Kulturelle Kinder- und Jugendbildung zielt auf die ästhetische Gestaltung im Rahmen von Angeboten wie Theater, Musik, künstlerische Gestaltung und Medienarbeit, sie richtet sich auf ganzheitliche Persönlichkeitsbildung und die Förderung von Schlüsselkompetenzen. Die oftmals grenzüberschreitenden und provozierenden Formen der Jugendkulturen bieten Anlässe und Gelegenheiten zur Auseinandersetzung.

Beide Arbeitsansätze verfolgen die gleichen Ziele, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensstilen, die Stärkung von Kompetenzen und die Förderung von Entwicklungs- und Identitätsprozessen junger Menschen. Daher gehören auch beide Arbeitsansätze zusammen, die Entwicklung angemessener Förderformen sind grundlegend für eine sozialräumliche und lebensweltorientierte Jugendarbeit.

Gerade in den sozialen Brennpunkten Neuköllns ist es wichtig, Kinder und Jugendliche mit Phantasie und Kreativität anregenden Angeboten zu erreichen, da diese Fähigkeiten weder durch Sprachprobleme noch durch kulturelle Unterschiede blockiert werden.

Hierbei können Erfahrungen gesammelt werden, die Persönlichkeit bildend und Selbstbewusstsein stärkend und den Jugendlichen sonst häufig verwehrt sind.

Die Förderung dieser Eigenschaften legt damit auch den Grundstein für tolerantes Denken und Handeln, und schafft Möglichkeiten für einen Perspektivwechsel beim Betrachten und Lösen von Problemen.

 

Zu 2. Welche Angebote zur kulturellen Bildung existieren im Bereich der bezirklichen Jugendarbeit durch Jugendfreizeiteinrichtungen und Freie Träger?

In der Neuköllner Kinder- und Jugendarbeit umfasst die kulturelle Jugendbildung folgende Angebote:

  • Angebote im Medienbereich wie der Computer-Führerschein, Videotechnik und Videoprojekte, Medienwettbewerbe, @nien, Netd@ys und Internetangebote, Film- und Zeitungsprojekte, Diskussionsforen
  • Musikangebote mit Bands, Instrumentenunterricht, Musikprojekte, aktuelle Angebote wie Hip-Hop und Breakdance, Jazzdance, Musical und Tanzgruppen, Zirkusprojeke
  • Theaterprojekte und -aufführungen, Musik- und Tanzveranstaltungen, Karneval der Kulturen, sowie Disco
  • und Kreativangebote mit Basteln, Malen, Schneidern, Töpfern, Kochen, Backen, Holzwerkstatt.

Die vielfältigen und umfangreichen Angebote sind häufig niederschwellig ausgerichtet und nur selten mit einem geringen Kostenbeitrag verbunden. Im Anhang zu dieser Anfrage finden sich zwei Angebotsplakate, welche eine Übersicht der Jugendarbeit in den Jugendfreizeiteinrichtungen bietet. (siehe PDF-Datei am Ende der Meldung)

Außerhalb der Jugendfreizeiteinrichtungen gestalten das Kulturnetzwerk Neukölln, der Comenius-Garten, die Neuköllner Oper, das Puppentheatermuseum, die Puppentheater „Volk&Art“ und „Kobalt Figurentheater“, der Geräuschladen „Ohrenhoch“ und eine Reihe von Freien Kindertheatergruppen und Offenen Ateliers regelmäßige als auch projektbezogene Angebote zur kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche in Neukölln.

Ganzjährig werden auf Schloss Britz museumspädagogische Führungen durch die Dauerausstellung „Wohnkultur der Gründerzeit“ und historische Führungen, die sich mit der Geschichte der Entwicklung des Guts-Ensembles beschäftigen, angeboten. Hierzu besteht ein Informationssystem für Kindergärten und Schulen, die regelmäßig diese Angebote wahrnehmen. Die Kinderführungen sind altersspezifisch ausgerichtet, werden teilweise durch einen Fragebogenparcours ergänzt oder beinhalten auch themenspezifische Mal- und Bastelaktivitäten für die Jüngsten. Zum Mittelaltermarkt wird außerdem eine museumspädagogische Führung über den Handwerkermarkt angeboten. Allein im Jahr 2008 haben bereits über 4.500 Kinder und Jugendliche an den Führungen durch das Schloss und die Sonderausstellung „Friedensreich Hundertwasser – aus dem graphischen Werk von 1951 bis 1997“ teilgenommen.

Regelmäßig bietet die Kulturstiftung Schloss Britz Konzerte, Einführungsveranstaltungen zu klassischer Musik und Heranführung an ausgewählte Musikinstrumente und musikalische Märchennachmittage für die Jüngsten.

Von Mai bis September werden im „Honigprojekt“ insbesondere Kindergarten- und Grundschulkinder über das Leben von Bienenvölkern unterrichtet und können selbst beim Imkern aktiv werden. Seit Mai betreibt Schloss Britz auch eine Weidetierhaltung, die sogenannte robuste Haustierrassen zeigt und Einblicke in die historische Landwirtschaft eröffnet.

 

Zu 3. Welche besonderen Angebote der kulturellen Bildung gibt es an Kindertagesstätten und/oder Schulen im Bezirk?

Die kulturelle Bildung ist auch Hauptbestandteil der Arbeit in Kindertagesstätten. Angebote sind hierbei:

  • Theaterprojekte im Haus sowie Besuche von Theatern und Museen,
  • in Kooperation mit der Musikschule Musikprojekte und Musikalische Früherziehung,
  • Besuche und Projekte in Bibliotheken,
  • Sprachförderung, Sprachentwicklung, Frühförderung der deutschen aber auch einer ersten Fremdsprache (z.B. Englisch),
  • bilinguale Spracherziehungskonzepte: Deutsch – Türkisch, Deutsch – Englisch, Deutsch – Französisch, Deutsch – Italienisch,
  • Umgang mit anderen Kulturen, Religionen und Werten,
  • Bewegungserziehung (Turnen, Schwimmen und Tanz),
  • Umwelterziehung, Verkehrserziehung, Stadtteilerkundungen,
  • Kinderreisen,
  • und Vorschularbeit (auch mit Hilfe von Computern)
  • die Vermittlung von diversen bildnerischen Techniken (Zeichnen, Malen, Gestalten mit unterschiedlichen Materialien usw.).

Weiterführend verfügt der Bezirk über eine theaterbetonte und zwei musikbetonte Grundschulen, darüber hinaus bestehen Tanz- und Theater AGs, Kunstprojekte, kombinierte Theater- und Kunstprojekte, Zirkusprojekte in Zusammenarbeit mit dem Zirkus Mondeo, musikalische Früherziehung in Kooperation mit der Neuköllner Musikschule und Trommel AGs.

Im Oberschulbereich besitzt Neukölln eine musikbetonte Gesamtschule und zwei Gymnasien mit musischem Schwerpunkt. Darüber hinaus sind die Fächer Kunst, Musik, Darstellendes Spiel fest im Wahlpflichtangebot bzw. im Angebot der Sekundarstufen I und II aller Schulen verankert. Gern werden die Orchester, Big Bands und Musikgruppen der allgemeinbildenden Schulen auch von öffentlichen Einrichtungen in Anspruch genommen (Rotes Rathaus, Abgeordnetenhaus von Berlin). Die Arbeitsergebnisse aus dem Bereich Bildende Kunst werden regelmäßig im Gemeinschaftshaus wie auch in der Galerie im Saalbau ausgestellt. Hierbei wird auch mit Fachberatern aus dem künstlerischen Bereich zusammengearbeitet.

Zusätzlich zu den Möglichkeiten an den allgemeinbildenden Schulen gibt es die Angebote der Musikschule. Die Musikschule Paul Hindemith Neukölln ist bei der Ausbildung ihrer Schüler äußerst erfolgreich und bundesweit anerkannt. Über die Standardangebote hinaus wendet sich die Musikschule Paul Hindemith Neukölln mit speziellen und grundsätzlich immer langfristig angelegten Programmen an Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen u.a. mit „Mozart rapt“, „Rap Side Story“, „Istanbul-Berlin“ und „Rütli Band“. An den Fähigkeiten und Interessen der Kinder orientieren sich auch die Projekte „Musik und Ferien“, „Neuköllner Originaltöne“ und die „Oper für Kinder“.

Für den Standort Britz ist eine „Klanginstallation zum selber ausprobieren“ in Planung, eine Art klingende Instrumentenausprobierausstellung, bei der klassische abendländische sowie orientalische Instrumente und elektronische Klangerzeugung kombinierbar sind. Dieses Angebot - auch an Wochenenden - wendet sich besonders an Familien und Schulklassen.

Im Regelfall sind die Kursangebote der Volkshochschulen und damit auch der Otto-Suhr-Volkshochschule Neukölln - für Teilnehmer_innen ab dem vollendeten 15. Lebensjahr konzipiert. Davon ausgenommen sind Eltern-Kind-Kurse und spezielle Angebote zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung (Junge VHS).

Das Neuköllner Kinderbüro veranstaltete bei der jährlichen Rathausrallye u. a. kleine Theaterworkshops von 45 Minuten, um Kindern mit dieser Methode Konfliktlösungsmöglichkeiten für Alltagsprobleme aufzuzeigen und sie an tolerantes, respektvolles  und demokratisches Verhalten heranzuführen. In der Herbstausstellung des Kinderbüros wurde zu den Kinderrechten informiert.

Zusätzlich gibt es seit bereits seit sechs Jahren, Berlinweit einmalig, das Programm „Neuköllner Künstler – Neuköllner Schulen“. Auf Bewerbung der Grundschulen arbeiten Neuköllner Künstler aus dem darstellenden Bereich (Schauspieler_innen, Regisseure_innen, Dramaturg_innen, Tänzer_innen, Puppentheaterspieler_innen, Puppenbauer_innen) für drei bis vier Monate an Projekten im Rahmen der Grundschultheaterarbeit in Schulen mit.

2008 fand das 13. jährliche Theatertreffen der Neuköllner Grundschulen statt, das inzwischen zum größten Berliner Grundschultheatertreffen mit Beteiligung aus allen Bezirken (aber nach wie vor mit Schwerpunkt Neukölln) geworden ist. Organisatoren sind die Lisa-Tetzner-Schule, das Kulturamt – Saalbau und Gemeinschaftshaus. Jährlich werden in den Neuköllner Kultureinrichtungen den Kitas und Schulen ca. 120 Kindertheater-Produktionen angeboten.

Im Haushalt des Kulturamtes gibt es seit zwei Jahren den Fonds für kulturelle Bildung. Etwa die Hälfte aller Neuköllner Schulen hat in den letzten zwei Jahren einen Antrag auf Förderung eines Projektes beim Kulturamt gestellt. Der Fonds für kulturelle Bildung kann in diesem Jahr um 20.000 € aus dem neuen Landesfonds für kulturelle Bildung aufgestockt werden und wird um die kulturelle Bildung auch im außerschulischen Bereich erweitert.

Im Herbst wird im Körnerpark in den ehemaligen Räumen des NGA eine Kreativ-Werkstatt eröffnet, welche den Schulen für Musische Werkstätten und Projektwochen zur Verfügung stehen wird. Bereits jetzt besteht eine große Nachfrage.

Mindestens einmal im Jahr findet – meist in der Galerie im Körnerpark – eine besondere Ausstellung mit großen Aktionsangebot für Kinder statt. Beispiele sind „Vielfalt! – Mitmachausstellung zu Toleranz und Vielfalt“ (2008), „Recup – vom Abfall dieser Welt“ (2007), „Kinder dieser Welt“ + Märchenzelt (2006) „Gute Töchter – Gute Söhne“ (2005), „Schattenwelten“, „Berliner Luft“, „Küchenleben“, „Ein Bild, ein Buch, ein Eselsohr“. Zu diesen Ausstellungen wird ein ausführliches Aktions- und Workshop-Angebot erarbeitet, das im Regelfall ausgebucht ist.

Das Museum Neukölln bietet ständig Führungen, multimediale Projekte und Recherche-Projektbetreuungen für Schulklassen und Jugendgruppen an, vermittelt Zeitzeug_innen und kooperiert mit Schulen und Jugendeinrichtungen (bei der aktuellen Ausstellung: „Madonna“, Regenbogen-Schule, Albrecht-Dürer- und Albert-Schweitzer-Schule) und berät diese. Stadtführungen und Projekte am Gedenk-Terminal zu „Widerstand in Neukölln“ gehören zum ständigen Programm.

 

zu 4. Welche Angebote zur kulturellen Bildung im Bezirk, die nicht vom Bezirk, sondern durch den Bund oder das Land Berlin gefördert werden, sind dem Bezirksamt bekannt?

Die Musikschule stellt schon jetzt, teils mit zeitlich begrenzter Unterstützung der Quartiermanagementgebiete, einer Reihe von Kitas und Lernanfänger_innenklassen der allgemeinbildenden Schulen kostenfreie Angebote im Bereich der musikalischen Bildung zur Verfügung, z.Z. nehmen ca. 360 Kinder in 30 Kursen an diesem kostenfreien Programm teil.

Für den Schuljahresbeginn laufen Verhandlungen mit dem Deutschen Musikrat, der Stiftung Zukunft Berlin und Einzelsponsor_innen, um über das neu aufgelegte Programm „Tandemunterricht“ und das von der Neuköllner Musikschule entwickelte Programm „Sprache-Musik-Bewegung“ zu einer flächenwirksamen Zusammenarbeit mit den Kitas und Schulen Neuköllns zu gelangen.

Diese Programme sind für Neuköllner Kinder im Alter von 3 bis 8 Jahre konzipiert, in der Hoffnung, dadurch auch – und so früh wie möglich – Kinder aus sozial problematischen Familien zu erreichen. Voraussetzung für das Gelingen ist häufig, dass Programme für die Nutzer_innen kostenfrei sind.

Die Neuköllner Volkshochschule hat insbesondere im darstellenden Bereich mit den Fortbildungen in Theaterpädagogik (Bundesverband Theaterpädagogik) ein gutes Potential. Die Volkshochschule versucht, Mittel unter anderem aus dem Kulturfonds für die Verstetigung und Ausweitung der Angebote einzuwerben.

So werden auch im Bereich des Kulturamtes immer wieder Projekte mit Drittmitteln realisiert:

  • „Gute Töchter, gute Söhne“ (Kooperation mit Kulturnetzwerk) und „Neues aus Babylon“ (Kooperation mit der Bürgerstiftung) aus Mitteln des Bundesprogramms „Entimon“,
  • das aktuelle Projekt „19 Freiheiten“ wird in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk durchgeführt und teilweise über Bundesmittel aus dem Programm „Vielfalt tut gut“ gefördert,
  • „Recup“ erhielt Mittel aus dem Hauptstadtkulturfonds.

Immer wieder wurden auch Projekte vom Bundesfonds „Soziokultur“ und von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin finanziert, darunter einige Projekte des Kulturnetzwerks anlässlich mehrerer „48 Stunden Neukölln“. In einigen Schulen wie z.B. in der Regenbogen-Schule fördern Stiftungen.

In fast allen Quartiersmanagementgebieten werden aus den verschiedenen Quartierstöpfen Projekte kultureller Bildung gefördert. Durch Mittel der Sozialen Stadt wurde die Kooperation vieler Schulen mit dem Zirkus Mondeo möglich. Im Anhang an diese Anfrage findet sich eine Aufstellung der aktuellen QM-Projekte zur kulturellen Bildung in Neukölln.

In den Regionen werden viele Kleinprojekte auch aus Förderprogrammen LOS, LSK und dem lokalen Aktionsplan Vielfalt finanziert. Die bezirklichen Mittel sichern häufig nur die Basisfinanzierung ab, so dass  zum Beispiel alle bezirklichen und freien Jugendfreizeiteinrichtungen auf Drittmittel angewiesen sind. Bei den bezirklichen Einrichtungen sind  schätzungsweise etwa 20 %, bei den freien Trägern etwa 50 bis 70 % der Angebote Drittmittel finanziert.

 

Zu 5. Wie sieht die Zusammenarbeit zur kulturellen Bildung zwischen

  • bezirklichen Jugendfreizeiteinrichtungen,
  • Freien Trägern,
  • Kindertagesstätten,
  • Schulen,
  • Musikschulen,
  • Bibliotheken,
  • der Jugendkunstschule,
  • der Volkshochschule,
  • weiteren bezirklichen Institutionen,
  • privaten Institutionen aus?

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit in der kulturellen Bildung zwischen den genannten Einrichtungen ist das Dorfplatzmodell in der Region Südwest. In dieser neuen Form der Zusammenarbeit zwischen einer Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung, einer Schule, einer Kita und einem freien Träger ist u.a. ein gemeinsames Theaterprojekt geplant.

Die Kitas kooperieren mit der Volkshochschule, den Musikschulen und Bibliotheken in diversen Projekten wie z.B. Edconcept (Sprache und Bewegung), KlingKlang (Musik und Bewegung), Rucksack-Projekt (Sprachförderung) und Zvi Penner (Sprachförderung).

Das Neuköllner Kinderbüro gestaltet regelmäßig Projekte mit den bezirklichen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen des öffentlichen und der freien Träger sowie den Schulen (Klassenstufen 4-7). Beispielsweise lernen bei der Kiezstadtplanarbeit Kinder- und Jugendliche ihren Kiez mit allen Einrichtungen und Institutionen, die Angebote für sie vorhalten, kennen. Dazu gehören kulturelle Einrichtungen wie das Museum Neukölln, die Galerie im Körnerpark, die Jugendbücherei in den Neukölln Arkaden, in Neukölln niedergelassene Kinder- und Jugendtheater und Veranstaltungsorte wie den Saalbau, das Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, die alte Dorfschule Rudow und auch Kinos. Für Neuköllner Jugendliche, insbesondere Mädchen, stellen die Bibliotheken einen wichtigen Lern- und Kulturraum dar, weil sie sich dort frei bewegen und informieren können.

Die Otto-Suhr-Volkshochschule Neukölln z.B. kooperiert im Bereich der kulturellen Kinder- und Jugendbildung mit folgenden Institutionen:

  • der Karlsgarten (Grund-) Schule: seit August 2005 gibt es ein theaterpädagogisches Projekt zu sozialem Lernen und Sprachförderung durch darstellendes Spiel (regelmäßig mit mehreren Klassen, zusätzlichen Projektwochen, verschiedene AGs, Aufführungen und Lehrerfortbildungen).
  • Szenenwechsel - Interkulturelles Zentrum für Mädchen und junge Frauen: Theaterspielen für 14-20 jährige Mädchen - Schnupperkurs am Wochenende und  Grundlagentraining Schauspiel
  • To Spiti – Interkulturelles Frauen- und Familienzentrum: Griechische Tänze für Kinder und Jugendliche – Anfänger_innen und Fortgeschrittene
  • Alte Dorfschule Rudow e.V.Theatergruppe für Jugendliche ab 14 Jahren
  • Jugendkunstschule Köpenick und VHS Treptow-Köpenick: Drucken für Groß und Klein - Wochenend-Eltern-Kind-Kurs (für Kinder von 6 bis 8 Jahren und deren Eltern), Richtig fotografieren - Jugendkurs (14 bis 24 Jahre), Bildhauerei - Jugendkurs (14 bis 24 Jahre), Montagslyrikkreis – Lyrik verstehen, sprechen, inszenieren - Jugendkurs (14 bis 24 Jahre), Grundlagen der Filmherstellung - Jugendkurs (14 bis 24 Jahre)
  • Mit allen Sinnen lernen e.V. und Kulturamt: Im Rahmen der Ausstellung „Vielfalt! – Mitmachausstellung zu Toleranz“ wurden zusätzlich zum Programm für Kinder Elternfortbildungen insbesondere für Mütter aus den Mütterkursen sowie Fortbildungen für Erzieher_innen realisiert.

Die Kulturstiftung Schloss Britz nutzt Kooperationen mit der Musikschule Neukölln, dem Berliner Imkerverband und dem Privaten Museum für Tierkunde Berlin.

Das Kulturamt ist für Schulen Ansprechpartner bei der Vermittlung von Künstler_innen, Unterstützung mit Technik, Bereitstellung von Räumen und der Unterstützung bei Förderanträgen. Um einen Überblick über die Angebote der kulturellen Bildung in Neukölln zu ermöglichen, stellt  das Kulturamt seit einem Jahr einen „Newsletter Kulturelle Bildung“, zusammen, der sowohl Schulen, Kitas als auch interessierte Künstler_innen gezielt informiert. Bei entsprechenden Projekten werden die Kolleg_innen aus anderen Abteilungen und anderer Einrichtungen in die Projektbeiräte oder um Kooperation gebeten.

Die Bibliothek und Musikschule kooperieren, indem junge Musiker_innen in den Räumen der Bibliothek musizieren, umgekehrt stellt gerade die Musikbibliothek eine wichtige Ergänzung für die Musikschule dar, denn dort sind sowohl Noten wie Audio-Medien auszuleihen.

Das Museum Neukölln konnte seine Zusammenarbeit mit den Neuköllner Schulen insbesondere durch die Überlassung von 2/2 Museumslehrer_innenstellen durch die Senatsschulverwaltung und dem Aufbau eines Kontaktlehrernetzes in den meisten Schulen stabilisieren und intensivieren und ist damit Vorbild für ganz Berlin.

Viele Neuköllner Schulen nützen zusätzlich die neue Möglichkeit der Kultur-Patenschaft von Kunst- und Kultureinrichtungen, die vom Rat für die Künste initiiert wurde. Hierbei wurden für mindestens drei Jahre drei Neuköllner Schulen in die Patenschaftsförderung der PWC-Stiftung aufgenommen, die Kurt Löwenstein-Schule kooperiert mit dem Kunstraum Kreuzberg, die Rütli-Schule mit dem Maxim-Gorki-Theater und die Albert-Schweizer-Schule mit dem Ethnologischen Museum.

Zahlreiche Neuköllner Schulen sind auch in TUSCH-Partnerschaften („Theater und Schule“) involviert. Die unmittelbare Theaterarbeit vor Ort praktizieren z.B. Lisa-Tetzner-Schule mit dem Deutschen Theater, das Hanna-Ahrendt-Gymnasium mit „Die Gorillas“, die Helmholtz-OS mit dem Theater Strahl, St. Marien mit der Schaubühne und das Albert-Schweizer-Gymnasium mit der Neuköllner Oper. Der Kunstbereich der Kepler-OS hat die gesamte mediale Dokumentation des TUSCH-Projektes übernommen.

Darüber hinaus arbeiten die Konrad-Aghad-Grundschule und das Radio-Sinfonie-Orchester im „Education Programme“ miteinander.

 

Zu 6. Welchen Bedarf sieht das Bezirksamt über die existierenden Angebote zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung hinaus?

Im Laufe der immer engeren Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen stellt sich heraus, dass Unterricht im Bereich der musikalischen Bildung – in direkter Anbindung an und in Kitas und im „Beginn-Bereich“ der allgemeinbildenden  Schulen - nur funktionieren kann, wenn diese Angebote kostenfrei zur Verfügung stehen.

Ein wesentliches Problem in der weiteren Entwicklung von Angeboten der kulturellen Kinder- und Jugendbildung stellt die generelle Entgeltpflicht von Volkshochschulangeboten dar. Selbst ermäßigte Entgelte können insbesondere bei zeitintensiven Angeboten von weiten Teilen der Bevölkerung nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten aufgebracht werden. Das Bezirksamt würde mehr Angebote im Jugendbildungsbereich mit weitgehend freiem Eintritt begrüßen.

Weiterer Bedarf besteht in der Bündelung und bezirklichen Präsentationsmöglichkeit der  vorhandenen kulturellen Kinder- und Jugendarbeit. Die Leistungen in der Jugendkulturarbeit und der kulturellen Jugendbildung der Jugendfreizeiteinrichtungen sind in der Regel wenig bekannt und werden zu wenig zur Kenntnis genommen.

Durch die Umstrukturierung vieler Grundschulen zu Ganztagsschulen werden weitere Angebote an den Schulen benötigt. Die Schulen benötigen insbesondere Angebote im Bereich Tanz und Theater, wo jedoch die entsprechenden bezirklichen Mittel fehlen.

Die besondere eklatante Lern- und Lehrsituation in Neukölln erfordert ein wesentlich intensiveres Angebot an kultureller Bildung in Kitas und Schulen, weil dies oft die einzige Möglichkeit der Teilhabe und der umfassenden Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen ist. Bewegung, Klang und Farbe können gerade den Kindern und  jungen Menschen die Chance verschaffen sich auszudrücken, die über diese Möglichkeit in der Sprache nicht ausreichend verfügen. Dies kann jedoch von den Lehrer_innen alleine nicht geleistet werden.

Extrem defizitär ist der Bereich Lesen/Bücher/Bibliothek.

In einem Bezirk, in dem Sprachprobleme aufgrund der multiethnischen Bevölkerungszusammensetzung eine so stark Chancengleichheit bedrohende Rolle spielen, wird die Medienausstattung der Bibliotheken, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, den Anforderungen kaum gerecht.

Neukölln liegt auf dem letzten Platz der Berliner Bibliotheken, der Mangel an qualifiziertem Personal lässt nicht die erforderliche Quantität von Leseförderungsangeboten zu. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Grundsätzlich lässt sich für alle Angebote der kulturellen Kinder- und Jugendbildung sagen, dass die Nachfrage zunehmend die Kapazitätsgrenzen übersteigt.

 

Zu 7. Wer ist im Bezirk zuständig für die Mittelvergabe für kulturelle Kinder- und Jugendbildung? Nach welchen Kriterien werden die Mittel vergeben?

Die Projektfördermittel für kulturelle Bildung werden vom Kulturamt verwaltet. Eine Jury, bestehend aus einer Künstlerin, einer Lehrerin, einer Kulturpädagogin aus dem Jugendbereich und einer Mitarbeiterin des Kulturamtes, berät über die Vergabe der Mittel. Die Vergabekriterien orientieren sich an Qualität, Originalität, Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Realisierung, erfolgreicher Kooperation zwischen Bildungseinrichtung und Kunst/Künstler_in, finanzielle Seriosität des Antrags, Verteilung auf verschiedene Bildungsträgertypen und Verteilung über Neukölln.

Bei anderen Mitteln gilt das Ressortprinzip.

 

Zu 8. Gibt es im Bezirk eine Koordination für Schulen, um ihnen Anbieter der kulturellen Bildung zu vermitteln?

Über die regionale Fortbildung werden seit September 2007 Verzeichnisse von geeigneten Anbietern der kulturellen Bildung angelegt und erweitert. Der Aufbau und die Pflege solcher Verzeichnisse liegt bei sogenannten Multiplikator_innen, deren Aufgaben es ist, Schulen in den von ihnen vertretenen Bereichen zu beraten.

Für kulturelle Bildung kommen vorzugsweise folgende Fächer bzw. Bereiche in Betracht: Deutsch, Fremdsprachen, Sozialkunde, Geschichte, Ethik, Musik, Kunst, Theater bzw. Darstellendes Spiel, Menschenrechts- und Friedenserziehung, Erziehung zur Gleichstellung der Geschlechter, Interkulturelle Bildung, Soziales Lernen.

Die hier aufgeführten Bereiche werden von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Außenstelle Neukölln, mit drei Lehrerstellen im Rahmen der regionalen Fortbildung berücksichtigt. Derzeit erarbeiten die Schulen Konzepte für Kooperationsprojekte mit Partnern aus dem Bereich Kunst und Kultur, um teilzuhaben an den Fördermitteln, die vom Land Berlin zur Verfügung gestellt werden.

 

Zu 9. Gibt es im Bezirk ein regelmäßiges „Projekteplenum“ wie in Kreuzberg, in dem Aktivitäten der kulturellen Bildung vorgestellt, diskutiert und nutzbar gemacht werden?

Ein Projekteplenum ist dem Bezirksamt nicht bekannt.

 

Zu 10. Wie unterstützt der Bezirk die Aktivitäten von „Schule ohne Rassismus“ als Koordinierungsstelle für kulturelle Bildung in den Schulen?

Für die Inhalte, die durch „Schule ohne Rassismus“ angesprochen werden, gibt es im Bezirk Neukölln den Aktionsplan „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. Dazu hat das Bezirksamt eine Koordinationsstelle in der Abteilung Jugend eingerichtet, die Projekte in enger Abstimmung mit der regionalen Schulaufsicht, dem zuständigen Multiplikator und dem bezirklichen Schulträger auswählt und an die Neuköllner Schulen vermittelt.

Im Bereich der Menschenrechts- und Friedenserziehung besteht auf Bezirksseite ein Schwerpunkt in der zeitgemäßen und adressatenbezogenen Aufklärung z.B. über Aktivitäten und Zielstellungen rechtsextremer Gruppierungen.

Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wird direkt an die Schulen herangetragen. Derzeit stellt sich das Projekt in den bezirklichen Gremien vor.

Ebenso dienen Projekte wie „Gute Töchter, gute Söhne“, „Neues aus Babylon“ oder „19 Freiheiten“, die vom Kulturamt in Kooperation veranstaltet wurden, unmittelbar der Antirassismus-Arbeit.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Vonnekold

Bezirksstadträtin

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Die Anfrage inkl. Antwort und Anhang können Sie hier auch als PDF-Dokument (ca. 470 KB) herunterladen.