Flüchtlinge sind in Neukölln willkommen!

Die Informationsveranstaltung zur geplanten Sammelunterkunft für Geflüchtete in Britz am Donnerstag, den 12. September 2013 hat gezeigt: Die große Mehrzahl der Anwohnerinnen und Anwohner will die Menschen, die hier untergebracht werden, willkommen heißen. Vereinzelte Nazis und NPD-Sympathisanten, die in der Nähe der Veranstaltungshalle protestierten, hatten keine Chance. 

Der Saal in der Fritz-Karsen-Schule war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele hundert Neuköllnerinnen und Neuköllner waren gekommen, um sich über die geplante Sammelunterkunft an der Späthstraße zu informieren. Etwa 400 Flüchtlinge sollen dort Anfang nächsten Jahres untergebracht werden, das Container-Gebäude auf dem brach liegenden Gelände soll bis dahin fertig gestellt sein.

Als Expert_innen hatte die Britzer Initiative „Hufeisern gegen Rechts“ Franz Allert vom Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), den Grünen Sozialstadtrat Bernd Szczepanski sowie Vertreter_innen vom Flüchtlingsrat Berlin, der Opferberatung ReachOut und des Diakoniewerks Simeon geladen.

Schon in den Anfangsstatements räumten alle Referent_innen mit den gängigsten Vorurteilen auf: Ein Flüchtlingsheim bedeutet keinesfalls mehr Kriminalität in der Umgebung, ebenso wenig mehr Müll oder mehr Lärm und Krawall. Menschen, die geflüchtet sind, „suchen Ruhe und Sicherheit in unserem Land“, betonte der grüne Stadtrat Szczepanski. Und ergänzte: „Die wollen wir ihnen geben.“ Klar gebe es Kriminalität im Umkreis von Flüchtlingsunterkünften, sagte Szczepanski. „Doch die ging bisher nur von der NPD und ihren Sympathisant_innen aus“.

In den meisten Fragen der Anwohner_nnen kam große Anteilnahme und Fürsorge für die im Winter erwarteten Flüchtlinge zum Ausdruck. Bei praktischen Fragen, etwa ob 6qm für Erwachsene und 4 qm für Kinder ausreichen, ob Gemeinschaftsräume geplant sind oder ob gerade für Frauen Schutz gewährleistet werden kann. Aber auch bei Fragen und Statements, in denen deutlich wurde, dass viele bereit sind, Zeit und Engagement zu investieren, um den Ankömmlingen ein warmes Willkommen zu bereiten.

Kritisch wurde diskutiert, ob es klug sei, die Verantwortung in die Hände eines privaten Trägers zu geben. Die künftige Betreiberin in Britz ist die PeWoBe. Flüchtlingsrat und Teile des Publikums beklagten miserable Zustände in anderen von ihr geleiteten Unterbringungen.

Vor allem stand aber ein Beschluss der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in der Kritik. Die Zählgemeinschaft aus SPD und CDU hatte in einem Antrag beschlossen, die Flüchtlingsunterkunft nicht im vorderen Teil des Geländes an der Späthstraße, in der Nähe des Wohngebietes, sondern so weit hinten wie möglich, in der Nähe einer Autobahn zu bauen. Ein Beschluss, den viele Anwohnerinnen und Anwohner mit Unverständnis und Kopfschütteln quittierten.

Doch den meisten Besucher_innen ging es nicht nur darum, sich zu informieren. Es ging auch um ein Zeichen: für Weltoffenheit, für Verantwortung und gegen rechte Ressentiments, (Alltags-)Rassismus und eine NPD, die auch dieses Mal versuchte, das Thema und die Veranstaltung für sich zu instrumentalisieren. Ohne Erfolg: Mit dem klaren Bekenntnis der Neuköllnerinnen und Neuköllner zu einer Willkommenskultur für Flüchtlinge ließen sie keinen Platz für rechtes Gedankengut. „Es kommen Menschen zu uns und wir werden sie als Nachbarn begrüßen“, sagte Bernd Szczepanski und traf damit den Nerv des gesamten Abends.

Presseberichte zur Infoveranstaltung: