Drogen in Neukölln: Illegalisierung und prekäre Beschäftigung sind Teil des Problems

Der Drogenkonsum am Bahnhof Neukölln ist unübersehbar. Uns erreichen Anfragen von besorgten Anwohner*innen, deren Kinder in der Nähe zur Schule gehen. Drogenkonsument*innen spritzen sich in der Öffentlichkeit die Substanzen in die Adern, die begleitende Kriminalität zeigt sich unter anderem in der Anzahl der geklauten Fahrräder. Das Bezirksamt schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, die aber lediglich die Symptome des Problems bekämpfen können. Von Karin Nadrowski

In einer Pressemitteilung benennt das Bezirksamt mögliche Ursachen der sogenannten „Drogenproblematik“. So seien die Abhängigen überwiegend „Opfer von Ausbeutung im Baugewerbe“, die nur für „kurze Zeit illegal beschäftigt wurden und keinen oder nur geringen Lohn erhielten“. Jedoch fällt der Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) vor allem eines ein: Mehr Polizei, Videoüberwachung, Strafen. Zwar geht sie in den Punkten 8 und 9 ihres 10-Punkte-Plans auch auf die Suchtkranken selbst ein, aber mit keinem Wort auf Möglichkeiten, prekäre und illegale Arbeitsverhältnisse zu verhindern. So bleiben die Maßnahmen vor allem eines: Symptombekämpfung.

Doch zumindest ein paar grüne Aspekte finden sich im 10-Punkte-Plan wieder: So fordern wir schon seit langem neben aufsuchender Sozialarbeit auch Möglichkeiten zum sicheren Drogenkonsum in Form eines Druckraumes. Als Teil der Zählgemeinschaftsvereinbarung von SPD und uns Grünen wird dies nun konkreter. Inzwischen wird in Zusammenarbeit mit der Fixpunkt GmbH über einen mobilen Druckraum gesprochen.

Eine weitere Ursache der Kriminalität und der Krankheit hat die Bürgermeisterin in ihrer Pressemitteilung vergessen zu erwähnen: die Illegalisierung der psychoaktiven Substanzen. Drogen allein machen weder kriminell noch krank. Die Krankheit kommt durch die fehlende Kontrolle der Sauberkeit, der Reinheit der Substanzen oder der Spritzen. Die Kriminalität entsteht durch den Schwarzmarkt. Sucht selbst ist eine psychische Krankheit, die nicht substanzgebunden ist. Sie kann auch Glücksspiele betreffen und ist, wie in der Pressemitteilung analysiert, größtenteils durch die Verhältnisse verursacht, in denen Menschen leben müssen. Womit wir wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen wären. Aber auch die Illegalisierung der Drogen ließe sich verändern. Wir Grünen fordern neben einem Druckraum schon lange die Einrichtung eines Coffee-Shops in Neukölln. Ein Coffee-Shop würde das kontrollierte Verkaufen sauberer Substanzen ermöglichen. Geeignet wäre der Einstieg mit einem kontrollierten Verkauf von Cannabis, allerdings wäre zur Bekämpfung des Schwarzmarktes auch eine legale Abgabe anderer Drogen wünschenswert.

Um die Sicherheit der Anwohner*innen wie auch der Drogensüchtigen zu ermöglichen, ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen nötig. Auch Überwachung und Strafverfolgung hat hier ihren Platz, aber nicht den allerersten. Aufsuchende Sozialarbeit ist wichtig und richtig, ein Hinschauen erhöht die Sicherheit für die Anwohner*innen und Gewerbetreibenden. Ein Druckraum ermöglicht einen kontrollierten Konsum, sodass Süchtige weniger krank und Anwohnende weniger gestört werden. Ein Coffee-Shop höhlt die Mechanismen des Schwarzmarktes aus und sorgt so langfristig für mehr Sicherheit.

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