Andreas Audretsch: Für Neukölln in den Bundestag

Bei der Mitgliederversammlung am 15. September im Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in der Hasenheide haben wir unseren Grünen Bundestagskandidaten für Neukölln gewählt: Andreas Audretsch. Wer ist eigentlich Andreas? Und was hat er im Bundestag für Neukölln vor?, fragen wir im Interview mit ihm und stellen Euch unseren Kandidaten vor. 

Herzlichen Glückwunsch zu deiner Kandidatur, Andreas! In deiner Rede auf der Mitgliederversammlung hast du erklärt, warum du für Neukölln in den Bundestag möchtest: Weil hier zentrale Fragen der Zukunft zur Debatte stehen. Welche sind das? 
Rechter Terror ist die größte Bedrohung für unsere Gesellschaft - in ganz Europa und ganz konkret bei uns in Neukölln. Immobilienspekulation bedroht die Kieze und Ortskerne. Eine falsche Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik spaltet die Gesellschaft. Und wenn wir unseren Planeten retten wollen, brauchen wir dringend eine Verkehrswende, in der Innenstadt genau wie am Stadtrand. Diese Fragen müssen wir für Neukölln lösen, sie haben aber Relevanz weit über Neukölln hinaus.   
 
Du bist seit rund 10 Jahren bei den Grünen Neukölln aktiv, warst schon Vorstandssprecher. Seit 2016 bist du Mitglied des Landesvorstandes. Warum jetzt Bundesebene?
Ich habe 2016 als Vorstandssprecher die neue rot-grüne Koalition im Neuköllner Rathaus mit auf den Weg gebracht. Als Mitglied des Landesvorstandes gestalte ich nun rot-rot-grüne Politik für ganz Berlin. Und auf beiden Ebenen ist immer wieder klar geworden: Viele Probleme lassen sich nur lösen mit anderen Mehrheiten im Bund. Das möchte ich angehen. 
 
Die Arbeitslosenquote in Neukölln liegt bei gut 16 Prozent, rund 20.000 Menschen beziehen Hartz IV. In deiner Bewerbung machst du deutlich: Hartz IV war ein Fehler und forderst eine neue Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Wie muss die aussehen?

Zum einen muss der Hatz-IV-Regelsatz steigen. Er ist politisch klein gerechnet, jede unvorhergesehene Belastung führt zu finanzieller Not - in der Corona-Pandemie ist das mehr als deutlich geworden. Der Satz beträgt derzeit 432 Euro, ehrlich berechnet müsste er bei rund 600 Euro liegen. Zum anderen muss die ganze Logik verändert werden. Gerade Langzeitarbeitslose brauchen Unterstützung, Mut und Hoffnung, nicht Sanktionen. Es ist Zeit für eine neue Grundsicherung.

Schleichend an die Macht. So heißt dein Buch, das dieses Jahr erschienen ist und in dem du dich mit der Neuen Rechten auseinandersetzt. Mit der rechten Terrorserie stellt sich auch in Neukölln die Frage: Wie können wir im Bezirk gegen rechte Gewalt vorgehen?
Der wichtigste Hebel ist eine aktive Zivilgesellschaft. Das Buch analysiert, wie die Neue Rechte Geschichte instrumentalisiert. Beim Schreiben habe ich mit vielen Historiker*innen zusammengearbeitet, die Position gegen die Geschichtsklitterung bezogen haben. Genau das brauchen wir. Bei uns im Bezirk ist das Bündnis Neukölln ein zentraler Anker, mit vielen Initiativen, die recherchieren, aufdecken, wachsam sind. Als Partei in Verantwortung haben wir eine klare Agenda: Wir werden schon bald eine*n Sonderermittler*in einsetzen, mit dem Start in die neue Legislaturperiode Ende 2021 wollen wir einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss und eine Enquetekommission, die systematisch rechte und diskriminierende Strukturen bei den Sicherheitsbehörden untersucht.

Worauf freust du dich am meisten im Superwahljahr 2021?
Auf den Straßenwahlkampf. Das mache ich seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft und – wenn Corona es zulässt – auch 2021 wieder mit großer Begeisterung. 

Und wir freuen uns auf den Wahlkampf mit Dir! 

Mehr über Andreas erfahrt ihr hier.